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Bertolt Brecht Eugen Berthold Friedrich Brecht
* 10. Februar 1898 in Augsburg; † 14. August 1956 in Berlin)
Zitate und Sprüche

An die Nachgeborenen

Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny

Ballade von der Hanna Cash

Beim Lesen des Horaz

Choral vom Manne Baal

Der Aufstieg des Arturo Ui

Der gute Mensch von Sezuan

Der Jasager. Der Neinsager.

Der Pflaumenbaum

Der Radwechsel

Die Ausnahme und die Regel

Die heilige Johanna der Schlachthöfe

Die Lösung

Die Maßnahme

Die Mutter

Die Rückkehr

Deutsche Kriegsfibel 1937

Deutschland

Dreigroschenoper

Einheitsfrontlied

Erinnerung an die Marie A.

Fragen eines lesenden Arbeiters

Gedanken über die Dauer des Exils

Kinderhymne

Leben des Galilei

Legende vom toten Soldaten

Legende von der Entstehung des Buches Taoteking

Mann ist Mann

Mutter Courage

Schlechte Zeit für Lyrik

Soldaritätslied

Thomas Mann über Bertolt Brecht

Vom armen B.B.

Von der Kindsmörderin Marie Farrar



An die Nachgeborenen

Wirklich, ich lebe in finsteren Zeiten!

Ihr aber, wenn es soweit sein wird
Dass der Mensch dem Mensch dem Menschen ein Helfer ist Gedenkt unsrer
Mit Nachsicht.

In die Städte kam ich zu der Zeit der Unordnung
Als da Hunger herrschte.


Ach, wir
Die wir den Boden bereiten wollen für Freundlichkeit
Konnten selber nicht freundlich sein.

Dabei wissen wir ja
Auch der Hass gegen die Niedrigkeit
Verzerrt die Züge.

So verging meine Zeit
Die auf Erden mir gegeben war.

Ich wäre gerne auch weise
In den alten Büchern steht, was weise ist:
Sich aus dem Streit der Welt halten und die kurze Zeit
Ohne Furcht verbringen
Auch ohne Gewalt auskommen
Böses mit Gutem vergelten...




Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny

Denn wie man sich bettet, so liegt man
Es deckt einen keiner da zu
Und wenn einer tritt, dann bin ich es
Und wird einer getreten, dann bist's du.

Geld macht sinnlich

An einem grauen Vormittag
Mitten im Whisky
Kam Gott nach Mahagonny
Mitten im Whisky
Bemerken wir Gott in Mahagonny.

Auf nach Mahagonny!/ Die Luft ist kühl und frisch.

Schöner, grüner Mond von Alabama/ Leuchte uns!

Oh, show us the way
To the next whisky-bar.

Laßt euch nicht verführen/ Es gibt keine Wiederkehr./ Der Tag steht vor den Türen/ Ihr könnt schon Nachtwind spüren/ Es kommt kein Morgen mehr.




Ballade von der Hanna Cash

Durch fünfzig Jahr in Nacht und Wind
Sie schliefen in einem Bett.
Das war die Hanna Cash, mein Kind
Gott mach´s ihr einmal wett.




Beim Lesen des Horaz

Selbst die Sintflut
Dauerte nicht ewig.
Einmal verrannen
Die schwarzen Gewässer.
Freilich, wie wenige
Dauerten länger!




Choral vom Manne Baal

Seid nur nicht so faul und so verweicht/ Denn Genießen ist bei Gott nicht leicht!

Alle Laster sind zu etwas gut/ Und der Mann auch, sagt Baal, der sie tut




Der Aufstieg des Arturo Ui

Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch!




Der gute Mensch von Sezuan

Verehrtes Publikum, jetzt kein Verdruss:
Wir wissen wohl, das ist kein rechter Schluss.
Vorschwebte uns: Die goldene Legende.
Unter der Hand nahm sie ein bitteres Ende.


Verehrtes Publikum, los, such dir selbst den Schluss!
Es muß ein guter da sein, muss, muss, muss!


Darum sagt' ich: lass es!
Sieh den grauen Rauch
 Der in immer kältre Kälten geht: so Gehst du auch.

Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen
Den Vorhang zu und alle Fragen offen.




Die heilige Johanna der Schlachthöfe

Es hilft nur Gewalt, wo Gewalt herrscht und/ Es helfen nur Menschen, wo Menschen sind.




Der Jasager. Der Neinsager.

Wer a sagt, der muss nicht b sagen.
Er kann erkennen, dass a falsch war.





Der Pflaumenbaum

Im Hofe steht ein Pflaumenbaum
Der ist klein, man glaubt es kaum.
Er hat ein Gitter drum
So tritt ihn keiner um.




Der Radwechsel

Ich bin nicht gern, wo ich herkomme.
Ich bin nicht gern, wo ich hinfahre.
Warum sehe ich den Radwechsel
Mit Ungeduld?




Die Ausnahme und die Regel

In dem System, das sie gemacht haben
Ist Menschlichkeit eine Ausnahme.




Die Lösung

Wäre es da
Nicht doch einfacher, die Regierung
Löste das Volk auf und
Wählte ein anderes?




Die Maßnahme

Nur belehrt von der Wirklichkeit, können wir
Die Wirklichkeit ändern.

Denn der einzelne hat zwei Augen
Die Partei hat tausend Augen.

denn
Furchtbar ist es, zu töten.

Aber die Partei kann nicht vernichtet werden
Denn sie beruht auf der Lehre der Klassiker
Welche geschöpft ist aus der Kenntnis der Wirklichkeit



Die Mutter

Fürchtet doch nicht so den Tod
und mehr das unzulängliche Leben!

Das Sichere ist nicht sicher.
So, wie es ist, bleibt es nicht.




Die Rückkehr

Die Vaterstadt, wie find ich sie doch?
Folgend den Bomberschwärmen
Komm ich nach Haus.




Deutsche Kriegsfibel 1937

General, der Mensch ist sehr brauchbar.
Er kann fliegen und er kann töten.
Aber er hat einen Fehler:
Er kann denken.

Die Oberen sagen:
Es geht in den Ruhm.
Die Unteren sagen:
Es geht ins Grab.




Deutschland

O Deutschland bleiche Mutter!
Wie sitzt du besudelt Unter den Völkern.
Unter den Befleckten Fällst du auf.

Mögen andere von ihrer Schande
sprechen, ich spreche von der meinen.




Dreigroschenoper

In dem Bordell, wo unser Haushalt war.

Denn die einen sind im Dunkeln
Und die andern sind im Licht
und man siehet die im Lichte
Die im Dunkeln sieht man nicht.

Wach auf, du verrotteter Christ!
Mach dich an dein sündiges Leben
Zeig, was für ein Schurke du bist
Der Herr wird es dir dann schon geben.

Erst kommt das Fressen,
dann kommt die Moral.

Ein guter Mensch sein/ Ja wer wär´s nicht gern?

Und der Haifisch, der hat Zähne
Und die trägt er im Gesicht
Und Macheath, der hat ein Messer
Doch das Messer sieht man nicht.


Meine Herren, heute sehen Sie mich Gläser abwaschen
Und ich mache das Bett für jeden.
Und Sie geben mir einen Penny, und ich bedanke mich schnell Und Sie sehen meine Lumpen und dies lumpige Hotel
Und Sie wissen nicht, mit wem Sie reden.
(Dreigroschenoper, Seeräuber-Jenny)


Ja, da kann man sich doch nicht nur hinlegen
Ja, da muss man kalt und herzlos sein.

Der Mensch lebt durch den Kopf
Der Kopf reicht ihm nicht aus
Versuch es nur, von deinem Kopf
Lebt höchstens eine Laus.

Denn für dieses Leben
Ist der Mensch nicht schlau genug...


Nur dadurch lebt der Mensch, dass er so gründlich
Vergessen kann, dass er ein Mensch doch ist.

Ihr Herren, bildet euch nur da nichts ein
Der Mensch lebt nur von Missetat allein.


Das Recht des Menschen ist's auf dieser Erden
Da er doch nur kurz lebt, glücklich zu sein...

Verfolgt das Unrecht nicht zu sehr, in Bälde
Erfriert es schon von selbst, denn es ist kalt.
Bedenkt das Dunkel und die große Kälte
In diesem Tale, das von Jammer schallt.

Nur wer im Wohlstand lebt, lebt angenehm!

Die Welt ist arm, der Mensch ist schlecht
Da hab ich eben leider recht!




Einheitsfrontlied

Drum links, zwei, drei!
Wo dein Platz, Genosse, ist!
Reih dich ein in die Arbeiterfront
Weil du auch ein Arbeiter bist.




Erinnerung an die Marie A.

und fragst du mich, was mit der Liebe sei?
So sag ich dir: ich kann mich nicht erinnern

Und über uns im schönen Sommerhimmel
War eine Wolke, die ich lange sah
Sie war sehr weiß und ungeheuer oben
Und als ich aufsah, war sie nimmer da.




Fragen eines lesenden Arbeiters

So viele Berichte/ so viele Fragen




Gedanken über die Dauer des Exils

Schlage keinen Nagel in die Wand!
Wirf den Rock auf den Stuhl!
Warum vorsorgen für vier Tage? Du kehrst morgen zurück.





Kinderhymne

Anmut sparet nicht noch Mühe
Leidenschaft nicht noch Verstand.
Dass ein gutes Deutschland blühe
Wie ein andres gutes Land.




Legende von der Entstehung des Buches Taoteking

Als er Siebzig war und war gebrechlich
Drängte es den Lehrer doch nach Ruh

Dass das weiche Wasser in Bewegung
Mit der Zeit den mächtigen Stein besiegt.
Du verstehst, das Harte unterliegt.

Denn man muss dem Weisen seine Weisheit erst entreißen. Darum sei der Zöllner auch bedankt: Er hat sie ihm abverlangt.




Leben des Galilei

Nimm dich in acht,
wenn du durch Deutschland fährst
und die Wahrheit unter dem Rock trägst.

Unglücklich das Land, das keine Helden hat... Nein. Unglücklich das Land, das Helden nötig hat.

Wenn die Wahrheit zu schwach ist, sich zu verteidigen,
muß sie zum Angriff übergehen.

Die Wahrheit im Sacke
Die Zung in der Backe
Schwieg er acht Jahre, dann war's ihm zu lang.
Wahrheit, geh deinen Gang.




Legende vom toten Soldaten

Doch der Soldat, so wie er's gelernt
Zieht in den Heldentod.




Mann ist Mann

von den sicheren Dingen
Das Sichere ist der Zweifel.




Mutter Courage

Das Frühjahr kommt.Wach auf, du Christ!
Der Schnee schmilzt weg. Die Toten ruhn
Und was nicht gestorben ist
Das macht sich auf die Socken nun.

Von Ulm nach Metz, von Metz nach Mähren!
Mutter Courage ist dabei!
Der Krieg wird seinen Mann ernähren
Er braucht nur Pulver zu und Blei.

So mancher wollt so manches haben
Was es für manchen gar nicht gab:
Er wollt sich schlau ein Schlupfloch graben
Und grub sich nur ein frühes Grab.




Schlechte Zeit für Lyrik

In einem Lied ein Reim
Käme mir fast vor wie Übermut.


In mir streiten
Die Begeisterung über den blühenden Apfelbaum
Und das Entsetzen über die Reden des Anstreichers.
Aber nur das zweite
Drängt mich zum Schreibtisch.




Soldaritätslied

Vorwärts und nicht Vergessen
Worin unsere Stärke besteht!
Beim Hungern und beim Essen
Vorwärts und nicht vergessen
Die Solidarität!



Thomas Mann über Bertolt Brecht

Das Scheusal hat Talent.




Vom armen B.B.

In mir habt ihr einen,
auf den könnt ihr nicht bauen.


Von diesen Städten wird bleiben: der durch sie hindurchging, der Wind!

Wir wissen, daß wir Vorläufige sind
Und nach uns wird kommen nichts Nennenwertes.




Von der Kindsmörderin Marie Farrar

Denn alle Kreatur braucht Hilf von allen.



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