Nun gönnt die Firma stillen
Abendfrieden
dem Arbeitsmann, den Mädels,
dem Kommis –
nun sitzt ganz Deutschland um den
runden, lieben
gedeckten Tisch und sieht aufs Visavis.
Da liegt das Land: ganz schwarz und blau
und dunkel.
Es klirrt der Wind im Telegrafendraht.
Ein gelbes Fenster
grüßt dich mit Gefunkel:
hier spielt der Förster seinen
Dauerskat.
Man hebt die Zeitung,
läßt sie wieder sinken,
die Welt, ihr Lieben, geht den alten
Lauf –
hieraufbezüglich kann man einen
trinken,
die Pfeife qualmt, nun steigt der Mond
herauf.
Und hundert Mimen spreizen ihre Glieder,
und hundert Bürger
füllen sich mit Bier ...
Und hundert Mädchen summen
kleine Lieder,
denn morgen, morgen muß er
fort von hier.
O Herr, so wie wir hienieden krauchen,
so segne Land und Leute und Kompott.
Verlaß dich drauf: wir
könnens brauchen,
wir könnens brauchen, lieber
Gott!
Kurt
Tucholsky
|